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    Gesundheit

    Welche Krankheit kann man mit Lumbalpunktion finden?

    BerlinperfektBy BerlinperfektSeptember 9, 2026No Comments8 Mins Read
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    Welche Krankheit kann man mit einer Lumbalpunktion finden? Diese Frage stellen sich viele Menschen, wenn eine Ärztin oder ein Arzt die Entnahme von Nervenwasser empfiehlt. Die Untersuchung kann Hinweise auf mehrere Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und der Nerven liefern. Besonders wichtig ist sie bei Verdacht auf eine Hirnhautentzündung, Multiple Sklerose oder andere entzündliche und infektiöse Erkrankungen des Nervensystems.

    Die kurze Antwort: Eine Lumbalpunktion kann unter anderem bei Meningitis, Enzephalitis, Multipler Sklerose, Neuroborreliose, Guillain-Barré-Syndrom, bestimmten Blutungen, Tumorerkrankungen und seltenen neurologischen Krankheiten diagnostisch helfen. Sie findet aber nicht automatisch „die eine Krankheit“. Meist liefert die Analyse des Nervenwassers einzelne Bausteine, die zusammen mit Beschwerden, Bluttests, MRT oder CT beurteilt werden.

    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei hohem Fieber, starker Nackensteife, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder plötzlich einsetzenden sehr starken Kopfschmerzen sollte sofort medizinische Hilfe gerufen werden.

    Was ist eine Lumbalpunktion?

    Bei einer Lumbalpunktion wird mit einer dünnen Hohlnadel eine kleine Menge Liquor cerebrospinalis, umgangssprachlich Nervenwasser, aus dem unteren Wirbelkanal entnommen. Der Einstich erfolgt im Bereich der Lendenwirbelsäule unterhalb des Rückenmarks. Daher wird das Rückenmark bei einer korrekt durchgeführten Punktion normalerweise nicht angestochen.

    Der Liquor umgibt Gehirn und Rückenmark. Veränderungen seiner Zusammensetzung können auf Infektionen, Entzündungen, Blutungen oder andere Prozesse im zentralen Nervensystem hinweisen. Im Labor untersucht man je nach Verdacht beispielsweise:

    • Anzahl und Art der Zellen
    • Eiweiß- und Glukosegehalt
    • Laktatwert
    • Antikörper und oligoklonale Banden
    • Bakterien, Viren, Pilze oder deren Erbgut
    • Tumorzellen
    • spezielle Eiweißmarker

    Während der Punktion kann zusätzlich der sogenannte Liquor-Eröffnungsdruck gemessen werden.

    Welche Krankheiten kann man mit einer Lumbalpunktion finden?

    Eine Liquoruntersuchung wird nicht als allgemeiner Test auf alle neurologischen Erkrankungen eingesetzt. Die Auswahl der Laboranalysen richtet sich nach den Symptomen und der konkreten Verdachtsdiagnose.

    Erkrankung oder KrankheitsgruppeMöglicher Befund im NervenwasserBedeutung der Lumbalpunktion
    Meningitis und EnzephalitisErhöhte Zellzahl, veränderte Glukose-, Laktat- oder Eiweißwerte, ErregernachweisHäufig zentral für Diagnose und Erregerbestimmung
    Multiple SkleroseEntzündungszeichen, intrathekale Antikörperbildung, oligoklonale BandenUnterstützt die Diagnose; MRT und klinische Befunde bleiben wichtig
    NeuroborrelioseEntzündungsreaktion und im Nervensystem gebildete Borrelien-AntikörperWichtiger Teil der Diagnose bei neurologischen Beschwerden
    Guillain-Barré-SyndromHäufig erhöhtes Eiweiß bei normaler oder nur leicht erhöhter ZellzahlUnterstützender Befund; kann anfangs noch normal sein
    SubarachnoidalblutungAbbauprodukte von Blut, etwa Bilirubin beziehungsweise XanthochromieKommt in ausgewählten Fällen nach unauffälliger oder nicht eindeutiger Bildgebung infrage
    Tumoren an Hirn- oder RückenmarkshäutenBösartige Zellen oder TumormarkerKann eine Beteiligung der Hirn- und Rückenmarkshäute nachweisen
    Autoimmunentzündungen des NervensystemsAntikörper und EntzündungsmusterErgänzt Bluttests, MRT und weitere Untersuchungen
    Demenz- und PrionenerkrankungenSpezielle Biomarker wie Amyloid- und Tau-Proteine oder RT-QuICNur bei passender Fragestellung und meist in spezialisierten Laboren

    1. Hirnhautentzündung und Gehirnentzündung

    Zu den wichtigsten Gründen für eine Lumbalpunktion gehört der Verdacht auf Meningitis, also eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute. Auch bei einer Enzephalitis, einer Entzündung des Gehirns, kann die Untersuchung entscheidend sein.

    Im Liquor können Ärztinnen und Ärzte eine Entzündungsreaktion erkennen und häufig den Auslöser bestimmen. Möglich sind unter anderem bakterielle, virale oder pilzbedingte Infektionen. Je nach Verdacht kommen Kulturen, Antigentests und PCR-Verfahren zum Einsatz. Das deutsche Gesundheitsportal gesund.bund.de bezeichnet den Nachweis der Entzündung und häufig auch des Erregers im Liquor als entscheidend für die Meningitisdiagnose. Bei Verdacht auf bakterielle Meningitis darf eine notwendige Behandlung jedoch nicht auf spätere Laborergebnisse warten.

    2. Multiple Sklerose

    Bei Verdacht auf Multiple Sklerose (MS) suchen Labore unter anderem nach einer Antikörperproduktion innerhalb des zentralen Nervensystems. Ein typischer Hinweis sind oligoklonale Banden, die im Liquor, aber nicht entsprechend im Blut nachweisbar sind.

    Solche Banden beweisen eine MS allerdings nicht allein. Sie können auch bei anderen infektiösen oder entzündlichen Erkrankungen auftreten. Die Diagnose stützt sich daher zusätzlich auf die Krankengeschichte, eine neurologische Untersuchung und vor allem die MRT-Bildgebung.

    3. Neuroborreliose und andere Infektionen

    Borrelien können nach einem Zeckenstich das Nervensystem befallen. Bei einer vermuteten Neuroborreliose werden Liquor und Blut gemeinsam untersucht. Entscheidend ist nicht einfach ein positiver Antikörpertest: Gesucht werden eine Entzündungsreaktion im Liquor und Hinweise darauf, dass passende Antikörper innerhalb des Nervensystems gebildet werden.

    Die Liquordiagnostik kann insbesondere bei Gesichtslähmung, starken nächtlichen Nervenschmerzen oder anderen passenden neurologischen Ausfällen zur Klärung beitragen. Die Diagnose muss jedoch immer zum klinischen Bild passen.

    Auch andere Infektionen wie Neurosyphilis, Tuberkulose des Nervensystems oder bestimmte Herpesvirus-Infektionen können mit speziellen Liquortests untersucht werden.

    4. Guillain-Barré-Syndrom

    Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine seltene entzündliche Erkrankung peripherer Nerven. Ein klassischer Liquorbefund ist ein erhöhter Eiweißwert bei weitgehend normaler Zellzahl. Fachleute sprechen von einer zytoalbuminären Dissoziation.

    Wichtig: In den ersten Krankheitstagen kann der Liquor noch unauffällig sein. Die Lumbalpunktion ergänzt deshalb die neurologische Untersuchung und Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit; ein normaler Frühbefund schließt die Erkrankung nicht sicher aus.

    5. Blutung im Bereich der Hirnhäute

    Bei einem plötzlichen, extrem starken Kopfschmerz muss eine Subarachnoidalblutung ausgeschlossen werden. Heute steht zunächst die Bildgebung im Vordergrund. Bleibt das CT trotz begründetem Verdacht unauffällig oder uneindeutig, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Liquoruntersuchung folgen. Dabei wird nach Blutabbauprodukten gesucht.

    Ein blutiger Liquor ist nicht automatisch der Beweis für eine Hirnblutung, denn beim Einstich kann ein kleines Gefäß verletzt werden. Laborbefunde, Zeitpunkt, Probenverlauf und Bildgebung müssen daher gemeinsam bewertet werden.

    6. Tumorerkrankungen

    Bei manchen Krebserkrankungen gelangen Tumorzellen in die Hirn- oder Rückenmarkshäute. Eine zytologische Untersuchung des Liquors kann solche Zellen nachweisen. Das betrifft beispielsweise bestimmte Leukämien, Lymphome oder solide Tumoren mit einer sogenannten leptomeningealen Ausbreitung.

    Ein negativer Befund schließt eine Tumorbeteiligung nicht in jedem Fall aus. Abhängig vom Verdacht können weitere Proben, eine Durchflusszytometrie oder MRT-Aufnahmen notwendig sein.

    7. Autoimmunerkrankungen und seltene neurologische Krankheiten

    Auch bei autoimmun bedingten Entzündungen des Gehirns oder Rückenmarks kann der Liquor wichtige Hinweise liefern. Dazu zählen beispielsweise Autoimmunenzephalitiden, Neurosarkoidose oder bestimmte entzündliche Erkrankungen der Sehnerven und des Rückenmarks. Häufig werden Antikörper parallel im Blut und im Liquor bestimmt.

    Bei der seltenen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit können Spezialtests wie RT-QuIC die Verdachtsdiagnose stützen. Die entsprechende DGN-Leitlinie empfiehlt diese Untersuchung in spezialisierten Laboren und betont, dass auch MRT, EEG und klinischer Verlauf berücksichtigt werden.

    8. Alzheimer-Krankheit und andere Demenzformen

    In ausgewählten Fällen lassen sich im Liquor Biomarker untersuchen, die zur Abklärung einer Alzheimer-Krankheit beitragen. Dazu gehören bestimmte Formen von Amyloid-beta und Tau-Proteinen. Diese Werte werden nicht als isolierter Selbsttest interpretiert, sondern im Rahmen einer fachärztlichen Demenzdiagnostik zusammen mit Gedächtnistests, Alltagseinschränkungen und Bildgebung.

    Kann eine Lumbalpunktion Hirndruck erkennen?

    Bei korrekter Durchführung in Seitenlage kann der Eröffnungsdruck gemessen werden. Ein erhöhter Wert kann beispielsweise bei einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension vorkommen. Ein niedriger Wert kann auf ein Liquorunterdrucksyndrom hinweisen. Die Druckmessung allein bestimmt jedoch nicht automatisch die Ursache.

    Bei möglichen Zeichen eines gefährlich erhöhten Hirndrucks muss zunächst geprüft werden, ob eine Punktion sicher ist. Bei Bewusstseinsstörungen kann vor der Lumbalpunktion eine CT- oder MRT-Untersuchung erforderlich sein, weil der Eingriff bei bestimmten Formen erhöhten Hirndrucks gefährlich sein kann.

    Was kann eine Lumbalpunktion nicht feststellen?

    Eine Lumbalpunktion ist kein universeller Test. Sie kann zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, die meisten Kopfschmerzformen, Parkinson oder Epilepsie nicht einfach anhand einer Liquorprobe beweisen. Selbst auffällige Werte sind häufig unspezifisch.

    Darum gilt:

    • Ein auffälliger Liquorbefund kann mehrere Ursachen haben.
    • Ein normaler Befund schließt nicht jede Erkrankung aus.
    • Manche Resultate verändern sich abhängig vom Krankheitsstadium.
    • Blutprobe und Liquor müssen bei bestimmten Tests direkt verglichen werden.
    • Symptome, neurologischer Befund, MRT, CT, EEG und andere Tests bleiben wichtig.

    Ist eine Lumbalpunktion gefährlich?

    Die häufigste Nebenwirkung sind Kopfschmerzen nach der Punktion, die typischerweise im Sitzen oder Stehen stärker werden. Vorübergehende Schmerzen oder ein Druckgefühl im Rücken sind ebenfalls möglich. Blutungen, Infektionen oder bleibende Nervenschäden sind selten, können aber vorkommen.

    Vor dem Eingriff prüfen Ärztinnen und Ärzte deshalb unter anderem die Blutgerinnung, eingenommene gerinnungshemmende Medikamente, mögliche Infektionen an der Einstichstelle und Anzeichen für erhöhten Hirndruck. Medikamente sollten niemals eigenständig abgesetzt werden.

    Mehr lesen: Florian Odendahl Ehefrau – was wirklich über sein Privatleben bekannt ist

    Häufige Fragen zur Lumbalpunktion

    Welche Krankheit wird am häufigsten mit einer Lumbalpunktion gesucht?

    Zu den häufigsten und dringendsten Fragestellungen gehört die Meningitis. In der Neurologie wird die Untersuchung außerdem oft zur Abklärung entzündlicher Erkrankungen wie Multiple Sklerose eingesetzt.

    Kann man Krebs durch eine Lumbalpunktion erkennen?

    Manchmal ja. Im Liquor lassen sich Tumorzellen nachweisen, wenn Krebs die Hirn- oder Rückenmarkshäute betrifft. Ein negativer Test kann eine solche Beteiligung jedoch nicht immer sicher ausschließen.

    Kann eine Lumbalpunktion Multiple Sklerose sicher beweisen?

    Nein. Bestimmte Liquorveränderungen können eine MS-Diagnose unterstützen, sind aber allein nicht beweisend. Entscheidend sind das klinische Bild, MRT-Befunde und die fachärztliche Gesamtbewertung.

    Kann man Borreliose im Nervenwasser sehen?

    Bei einer Neuroborreliose können Entzündungszeichen und eine spezifische Antikörperbildung im Nervensystem nachweisbar sein. Ein positiver Borrelien-Antikörperwert im Blut allein belegt keine Neuroborreliose.

    Wie lange dauert es, bis das Ergebnis da ist?

    Basiswerte wie Zellzahl, Eiweiß, Glukose oder Laktat liegen häufig noch am selben Tag vor. Kulturen, Antikörpertests und spezielle Biomarker können mehrere Tage oder länger benötigen. Im Notfall beginnt die Behandlung gegebenenfalls schon vor dem endgültigen Ergebnis.

    Fazit: Welche Krankheit kann man mit Lumbalpunktion finden?

    Mit einer Lumbalpunktion kann man vor allem Infektionen, Entzündungen und bestimmte Immunreaktionen im Nervensystem erkennen. Besonders bedeutsam ist sie bei Meningitis, Enzephalitis, Multipler Sklerose, Neuroborreliose und Guillain-Barré-Syndrom. Außerdem kann sie in ausgewählten Situationen Hinweise auf Hirnblutungen, Tumorzellen, erhöhten Liquordruck sowie bestimmte Demenz- oder Prionenerkrankungen liefern.

    Die genaue Aussage hängt davon ab, welche Laborwerte untersucht werden und zu welchem Zeitpunkt die Probe entnommen wird. Eine Diagnose ergibt sich deshalb fast nie aus einem einzelnen Liquorwert, sondern aus dem Gesamtbild.

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